Posten 7 - Denkmal «Schlacht bei Neuenegg» (5. März 1798)


Zwei Denkmäler zieren unsere Gemeinde Neuenegg.

Das Denkmal auf dem Bramberg erinnert an den Schlachtsieg der Berner Truppen von 1339 über ein regionales Koalitionsheer - Bern wird mächtig.

Der über dem Dorf thronende Obelisk gedenkt des siegreichen Gefechts der bernischen Soldaten von 1798 gegen die anrückende feindliche Armee der Franzosen - nach der entscheidenden Niederlage der Berner im Grauholz geht der Stadtstaat Bern unter.

Auf die Frage, weshalb wir Neueneggerinnen und Neuenegger gerade zwei monumentale Erinnerungsstätten in Ehren haben sollen, gibt es folgende Antwort:

Beide Angriffe von 1339 und 1798 galten der nahe liegenden Stadt Bern und die Anmarschrouten des Feindes führten über das Gemeindegebiet von Neuenegg. 1339 erfolgte der Angriff über Laupen; 1798 griff die französische Armee von Freiburg her über die Sensebrücke von Neuenegg an.

BERNERSIEG IM GEFECHT GEGEN DIE EINDRINGENDEN FRANZOSEN HIER IN NEUENEEGG VOM 5. MÄRZ 1798
Der Franzoseneinfall
Was will der «Korsiche Vielfrass Napoleon» als Oberbefehlshaber der französischen Armee eigentlich von der damaligen Eidgenossenschaft?
Der missionarische Drang, den Völkern Europas die Errungenschaften der Französischen Revolution «Liberté – Egalité – Fraternité» zu bringen, spielte wohl beim französischen Invasionsentscheid eine untergeordnete Rolle. Entscheidend war der strategische Nutzen, welchen die Alpentransversalen versprachen. Daneben lockten der riesige Staatsschatz von Bern und derjenige von Zürich. Napoleon brauchte Geld für seine geplanten Kriegszüge. Mit dem Territorialgewinn sollte auch die Schweizer Wehrkraft ausgebeutet werden, indem Schweizer Soldaten zum Dienst in Frankreich ausgehoben wurden.

 

Karte aus «VIVAT DAS BERNERBIET»

Mit freundlicher Genemigung des Autors Dr. Stüssi - Lauterburg



Immerhin legte Napoleon mit der Schaffung der Helvetischen Republik und mit dem 'Code Napoléon' den Grundstein für die neue, moderne Schweiz von 1848.

Die Gefechte vom 4. und 5. März
Diese spielen sich in zwei  Phasen ab: Mit dem für die bernischen Truppen verlorenen Morgenkampf (Nachtkampf) und mit der siegreichen Mittagsentscheidung im konzentrischen Gegenangriff.


Erstes Gefecht vom 4. März
Dem Zangenangriff der Franzosen in den frühen Morgenstunden über die Sense vom Freiburgergebiet her haben die bernischen Verteidiger wenig entgegenzusetzen. Wohl wehren die Berner – darunter die heldenhaft kämpfenden Aargauer vom Freikorps Zofingen – unten an der Sensebrücke mehrere Angriffswellen ab; doch mit dem Ausschalten der Artillerie hier oben bricht im Dorf der Widerstand zusammen. Wer kann, flieht auf der Landstrasse Richtung Landstuhl - Bern. Die Truppen werden durch den Forst zurückgetrieben.
Die fatale Stimmung im Berner Lager (Verwirrung, Unordnung, Misstrauen, Unentschlossenheit) hemmt nachhaltig. Befehle und Gegenbefehle der in Falken und Tauben aufgesplitterten, überalterten Berner Patrizier Regierung lähmen den Truppengeist.
Auch in Laupen wird gekämpft. Der Scheinangriff soll von Neuenegg ablenken. Die Franzosen dringen ins Stedtli ein, werden aber nach zähem Nahkampf wieder über die Sense zurück getrieben.


Zweites Gefecht vom 5. März
Im Raume Niederwangen sammeln sich wehrbereite Truppenteile nach dem Motto «Mir wei no einisch hinger se här».
In zähen Einzelkämpfen treiben die Berner den französischen Feind aus dem Forst hinaus, dann über die Sense weg ins Freiburgische zurück. Doch erreicht wird bloss ein Pyrrhussieg (Scheinerfolg). Da die Berner Truppen gleichzeitig im Grauholz die entscheidende Niederlage erleiden, fällt Bern nach rund 600 jähriger Patrizierherrschaft.


Erkenntnis 

Der schlussendlich militärisch unbedeutende Gefechtssieg hier in Neuenegg rettet höchstens die Waffenehre und teilweise den Ruf unserer Soldaten. Die Denkmalinschriften «Seid einig» im Grauholz und «Den Kampf gewonnen, das Vaterland verloren» hier in Neuenegg überzeugen.

 

Fortdauernde Erinnerung 

Alljährlich, jeweils am 1. Sonntag im März wird das «Historische Neuenegg-Schiessen» durchgeführt. Gründer: die Scharfschützen Bern. Heutiger Ausrichter: Die Sportschützen  Bramberg-Neuenegg. Zur Jahrhundertfeier 2013 erschienen (immer noch) 600 Schützen aus 11 Kantonen.


Die Bärner–Platte
Seit dem Waffengang hier bei uns ist dieser Menuname bekannt. Entstanden ist er im Frühjahr 1798 der noch vorhandenen Speisen wegen: Speck, Würste, Gnagi, Siedfleisch, dürre Bohnen und Sauerkraut. Damit bewirten Wohlener Bauersfrauen die des verschenkten Gefechtssieges wegen missmutig, müde, ungeordnet und hungrig heimkehrenden Wohlener-Soldaten. Die «Bärner-Platte» wird heute noch als Hauptverpflegung den Neuenegg-Schützen abgegeben.                             

 

Hans Peter Beyeler / Dr. Erich Gäumann


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Aktualisiert am 27.7.2018