Posten 1 - Thörishaus - Hof Herrmann - Wasserfallenhole


Hof Herrmann

Der herrschaftliche Hof Herrmann dürfte das 1380 urkundlich erwähnte Thöris-Hus sein, einst im Grenzabseits zwischen Neuenegg und Köniz gelegen.

 
Beim Sappeurbrüggli wird die oberste der von Dr. P. Boschung genannten 7 Furten vermutet. Hier konnte der Fluss bei Niedrigwasser auch mit Fahrzeugen gequert werden. Wichtig war, dass auf beiden Seiten eine Zufahrt existierte. Im Urbar (Verzeichnis der Abgaben und Abgabeverpflichteten) des Schlosses Laupen von 1532 lesen wir:


«Benedicht Kilchberg von Törishus git ab der Hus hoffstat stosst an Wäg und ab sinem bletz darwider vor dem hus und ein juchartenn ackers stosst an die brunnmatten und Schindlers bletz, und das var zu den Siebenfurten darinn begriffen, und dienet dasselb und die hus hofstat den brüder allen vieren».

 

Thörishaus - Neuenegg und Köniz
Thörishaus war immer und ist noch heute zweigeteilt. Die Gemeindegrenze zwischen Köniz und Neuenegg, die Grenze zwischen den Kirchgemeinden Neuenegg und Oberwangen und die Grenze zwischen den neuen Wahlkreisen Mittelland-Nord und Mittelland-Süd folgt der Sensemattstrasse. Zusätzlich zu den politischen Grenzen trennen die Verkehrsachsen der Kantonsstrasse, der Bahn und der Autobahn das Siedlungsgebiet – alle drängen sich durch das Nadelöhr bei Thörishaus.

 

Verkehrsentwicklung
Eine totale Halbierung durch die Autobahn konnte nur dank hartnäckiger Intervention des Ortsvereins und geschickter Lobbyarbeit einiger Bürger verhindert werden. Mit dem Bau der Autobahnüberdeckung, die so konzipiert ist, dass Gebäude darauf erstellt werden können, wurde die Möglichkeit zur Realisierung eines Dorfzentrums geschaffen.


Mit dem Bau der Kantonsstrasse 1857, der Eisenbahnverbindung Bern – Freiburg 1860, der eigenen Schule 1903 und der Autobahn 1980 hat sich Thörishaus zu einer stolzen, selbstbewussten Ortschaft entwickelt. Trotz – oder vielleicht gerade wegen der vielen Trennlinien – nennt der Ort ein lebendiges Vereinsleben und ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl sein Eigen.

 

Die Wasserfallenhole

Die Wasserfallenhole oberhalb des Hofes Herrmann wurde beim Rückzug des Rhonegletschers von einem mächtigen Schmelzwasserbach ausgewaschen.


Vor der letzten Eiszeit, der Würm-Eiszeit, floss die Sense von Thörishaus aus nordwärts durch das Wangental Richtung Aare. Man weiss noch heute nicht, wie tief diese Abflussrinne im Molassefelsen ist. Weder beim Bau der Bahnlinie noch beim Autobahnbau wurde der anstehende Sandstein, die Molasse, angefahren.

 

Thörishaus und sein Gemüse
Im Agrarsektor dominiert der Gemüsebau. Neben der sonnigen Südlage der Hänge und dem nahen Absatzmarkt in der Stadt Bern spielt wohl noch eine mikroklimatische Besonderheit eine Rolle für das Entstehen dieser Konzentration von Gemüsekulturen. Es kommt immer wieder vor, dass das Wangental und das Sensetal bis hinauf zur Steinigen Brücke im  dichten Nebel liegen, im Talkessel von Thörishaus aber scheint die Sonne. Lokale Windströmungen, die noch zu untersuchen wären, reissen hier offenbar ein Loch in die Nebeldecke.


Heute produzieren noch 6 «Gmüeser» in Hallen und im Freien.                              

 

Dr. Erich Gäumann

 

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Aktualisiert am 27.7.2018